Stadtbummel durch Ålesund
Der Tag steht uns noch in Ålesund zur Verfügung. Wir nutzen ihn zur Erkundung der Stadt: Zunächst ein kleiner Rundgang durch das Zentrum entlang des breiten Sundes – des Ålesundes, der die Inseln, auf denen das Zentrum gelegen ist, voneinander trennt. Auf beiden Seiten ziehen sich farbenfrohe Häuser am Ufer entlang.
Durch steile Gassen machen wir uns nun auf den Weg zur Aussichtsplattform auf dem Berg Aksla, direkt über der Stadt. 418 Stufen sind es bis nach oben. Unterwegs gibt es terrassenförmig immer wieder kleine Plateaus auf denen man nicht nur verschnaufen, sondern auch den Blick auf die Stadt genießen kann. Von der Aussichtsplattform können wir in drei Himmelsrichtungen schauen: Zurück auf die Berge im Fjordland, die wir gestern hinter uns gelassen haben. Hinaus auf die Inseln vor der Küste, und über die Stadt. Wir entdecken den Anleger der Fähre, die uns nach Ålesund gebracht hat, folgen dem Verlauf des Sundes und suchen nach dem Jugendstil Museum.
Jugendstil in Ålesund
Ålesund ist heute eine Perle des Jugendstils, die dahinter steckende Geschichte jedoch dramatisch. Im Januar 1904 brannte ein Großteil der Stadt, bebaut mit Holzhäusern, nieder. Aus ganz Europa kamen Hilfen für den Wiederaufbau. Anfang des 20. Jh war der Jugendstil überaus modern, sodass viele Häuser in Ålesund in diesem Stil errichtet wurden. Sollten Sie einmal in Ålesund sein, nehmen Sie sich die Zeit die kleinen Details an den Häuserfassaden zu betrachten oder buchen einen geführten Rundgang.
Im Hafen, in der Nähe des kleinen Leuchtturms, sind noch einige der alten Häuser erhalten - wie, durch ein Wunder wurden sie von dem verheerenden Brand verschont.
Radtour durch Ålesund
Auch wir schließen uns einer geführten Tour an, jedoch nicht zu Fuß, sondern auf zwei Rädern. Mit E-Bikes erkunden wir die Insel Hessa. Die Insel wird dominiert vom Berg Sukkertoppen (zu deutsch Zuckerhut). Tatsächlich ähnelt er seinem berühmten Namensgeber in Brasilien.
Hessa erreichen wir über eine große Brücke, die das Hafengebiet überspannt. Bereits wenige Minuten später finden wir uns in einer weiten Heidelandschaft wieder, die von Rad- und Wanderwegen durchzogen ist. Versteckt liegen in den Dünen am Meer Bunker – Relikte aus dem 2. Weltkrieg.
Auch das Aquarium Atlanterhavsparken befindet sich hier. Wir legen einen Stopp an einer gut geschützten sandigen Bucht ein und schauen aufs Meer. Mit perfekten Timing kommt die Havila Capella in Sicht – mit ihr werden wir unsere Reise heute Abend fortsetzen. Während wir noch auf Erkundungstour sind, ist das Schiff bereits auf dem Weg nach Ålesund.
Wir umrunden Sie Insel Hessa, finden an der Westseite moderne Häuser mit großen Dachterrassen, Glasfronten und Wintergärten, während davor direkt am Ufer eine reine traditioneller rot gestrichener Bootshäuser am Wasser steht.
Unsere Tour endet im Hafen von Ålesund, wo wir dem Molja Leuchtturm einen Besuch abstatten und durch die alten Holzhäuser am Hafen streifen.
Schiffsreise mit Havila
Nun nimmt uns im Zentrum von Ålesund die MS Havila Capella in Empfang. Durch das Terminalgebäude können wir unser zu Hause für die kommenden Tage bereits sehen. Und dann geht es an Bord. An der Rezeption werden wir freundlich empfangen und erhalten unsere Bordkarten. Da wir nur eine Teilstrecke gebucht haben, erfahren wir unsere Kabinennummer erst an Bord. Ich wohne in einer Außenkabine auf Deck 4 in unmittelbarer Nähre zur Rezeption. Mit ca. 15 m² ist die Kabine geräumig, und neben dem Doppelbett findet am Fenster auch ein Sofa Platz.
Leinen Los: Kurs Nord mit Havila
Vor dem Abendessen bleibt Zeit für eine erste Entdeckungstour über das Schiff. Ich nehme die Treppe und werfe einen Blick auf Deck 5, wo sich überwiegend Kabinen befinden und steige hinauf zu Deck 6. Hier finde ich öffentlichen Bereiche wie Lounge, Shop, Vortragsräume, Café und Restaurants. Auf den Decks 7, 8 und 9 sind die Außendecks zu erreichen. Eine kurze Runde übers Deck, ein letzter Blick auf Ålesund und schon heißt es Leinen los. Die Havila Capella verlässt den Hafen und fährt Richtung Norden. Bereits in wenigen Stunden wird sie erneut anlegen und in Molde Passagiere und Waren in Empfang nehmen.
Smakelig måltid
Das Verpflegungskonzept an Bord der Havila-Schiffe ist für Schiffsreisen eher ungewöhnlich: Alle Mahlzeiten werden am Tisch serviert, lediglich zum Frühstück gibt es ein kleines Buffet, dass durch zusätzliche Speisen aus der Karte ergänzt werden kann. Spiegelei, Rührei, Porride, Frikadellen oder Pfannkuchen stehen u.a. zur Auswahl. Hintergrund des Konzeptes ist es, die Lebensmittelverschwendung zu reduzieren und qualitativ hochwertige Verpflegung zu bieten.
Nach einigen Tagen wechselt das Menü, sodass auch bei längeren Reisen eine vielfältige Auswahl gegeben ist. Dabei orientiert sich das Speisenangebot an der jeweiligen Küstenregion mit ihren regionalen Spezialitäten.
Zum Mittagessen erwartet uns eine Karte mit etwa 18 kleinen, auch vegetarischen, Gerichten, aus denen man drei nach Belieben auswählen kann. Flatbrød (norwegischens Fladenbrot) aus Røros mit Räucherlachscreme, Caesar Salat und gebeizter Lachs mit Dillrahmkartoffeln stellt sich als hervorragende Auswahl heraus. Auch einen kleinen Nachtisch gibt es.
Aufenthalt in Trondheim
Bereits am frühem Morgen gibt es einiges zu sehen: An Deck empfängt mich die herrliche Morgenstimmung. Sanftes Licht, leichte Wolken, dahinter blauer Himmel. Kleine Fähren kreuzen zwischen Festland und vorgelagerten Inseln. Auf Deck 6 ist auch der Schiffsbug begehbar, sodass man fast wie im Film Titanic in der Schiffsspitze stehen kann.
Kurz vor Trondheim kommt uns die Havila Pollux, eines der vier baugleichen Schiffe von Havila entgegen. Gemäß der Tradition hupt zuerst das nordgehende Schiff, das südgehende Schiff antwortet mit dem Schiffshorn.
Nun stehen uns drei Stunden in Trondheim zur Verfügung. Wir haben eine Schiffstour mit einem traditionellen, offenen Holzboot ausgewählt. Obwohl es ein kühler Morgen ist, können wir die Fahrt vollends genießen – die Sonne strahlt. Wir tuckern durch den Hafen, vorbei am Rockheim-Museum und einer ganzen Flotte von Museumsschiffen. Dann geht es entlang der bunten, alten Speicherhäuser. Von unserer Perspektive kurz oberhalb der Wasseroberfläche, können wir die Pfahlbauten auf denen die Häuser stehen, gut betrachten – welche beeindruckende Konstruktion!
Wir durchfahren die rote Zugbrücke „Gamle Bybro“ und bald kommt die Spitze des Nidarosdoms in Sicht, hier kehren wir um und nehmen Kurs auf unserem Ausgangspunkt.
Nach diesem Ausflug bleibt Zeit für einen raschen Spaziergang durch Trondheim. Wir gehen zu Fuß in die Stadt – unser Ziel: der Nidarosdom mit seiner eindrucksvollen Westfassade. Wir halten kurz inne und sputen uns dann auf dem Weg zur Havila Capella – schließlich fährt das Schiff nach festem Fahrplan und wartet nicht auf verspätet vom Stadtbummel zurückkehrende Gäste. Dennoch reicht die Zeit für den Weg durch das Viertel Bakklandet. In den alten Holzhäusern sind heute Bars, Cafés und viele schnuckelige Lädchen zu finden.
Das Leben an Bord
Zurück an Bord beobachten wir das Ablegemanöver. Die Ladeklappe schließt sich langsam, die Gangway wird hochgefahren und die Hafenmitarbeiter lösen die dicken Taue. Weiter geht’s! An Deck genießen wir die warmen Sonnenstrahlen und beobachten die Ausfahrt auf dem Trondheimsfjord.
Da wir erst am Abend wieder anlegen werden, genießen wir den entspannten Nachmittag an Bord. Eine Durchsage der Bordreiseleitung lässt viele Aufhorchen: Der Leuchtturm Kjeungskjær kommt in Sicht. An Deck versammeln sich Schaulustige, ausgestattet mit Smartphone oder Kamera. Nahezu vollständig füllt der Leuchtturm die Schäre aus auf der er sich befindet.
Es heißt das Schiff ist ausgebucht, überall findet sich aber problemlos ein gemütlicher Platz mit bester Aussicht. So auch im Whirlpool an Deck. Im wohltemperiertem Wasser sitzen wir mit Blick auf die vorbeiziehende Landschaft. Da schadet es auch nicht, dass es grau geworden ist und nieselt.
Überquerung des Polarkreises
Bereits am Vortag hatte die Bordreiseleitung dazu aufgerufen einen Tipp abzugeben, wann dir den Polarkreis überqueren werden. Um 07:46 Uhr ist es soweit – die Havila Capella überfährt diese magische Linie. Noch eine Zeit bleibe ich an Deck stehen, um das Farbenspiel aus Licht, Wolken und Regenschauern zu beobachten. Dann wird es Zeit zum Frühstücken.
Je weiter wir heute nach Norden reisen umso karger wird die Landschaft. Mit jedem Meter wird aber auch das Wetter wieder schöner und bei herrlichem Sonnenschein und leicht gekräuseltem Meer, laufen wir in Ørnes ein. Hier ist ein kurzer Stopp angesagt. 10 Minuten liegt die Capella am Kai. Anlegen, ausladen, einladen und weiter geht’s. Für uns war es auf dieser Reise der letzte Stopp, in Bodø werden wir das Schiff verlassen und die Heimreise antreten.