Postschiff-Route entlang der norwegischen Küste

Bereits seit 1893 befahren Linienschiffe die 2700 km lange, zerklüftete Küste Norwegens zwischen Bergen und Kirkenes. Transportiert werden Waren, Fracht und Passagiere, früher auch Post. Es ist eine Lebensader des Nordens, die liebevoll als Riksveg Nr. 1 (Reichsstraße Nr. 1) bezeichnet wird und vielleicht die schönste Seereise der Welt ist.

Neben dem touristischen Angebot, das heute eine größere Rolle spielt als der Frachtverkehr, leisten die Linienschiffe einen wichtigen Beitrag zur Infrastruktur der Küstenregion. Aufgrund der tief ins Landesinnere einschneidenden Fjorde und der verstreut im Meer liegenden Inseln, sind die Wege über Land verschlungen, folgen den Fjordarmen und machten das Reisen in früheren Zeiten beschwerlich. Die 34 Anlaufhäufen der Linienschiffe reihen sich dagegen wie Perlen an einer Kette auf und verbinden die Orte 365 Tage im Jahr auf dem Seeweg. Auch Norweger nutzen die Verbindung gern um entlang der Küste zu reisen.




Die Geschichte der Postschiff-Route

Aufgrund der großen Nord-Süd-Ausdehnung Norwegens wurde bereits früh nach geeigneten Transportwegen für die Anbindung der fischreichen Inselgruppen im Norden an den Handelshafen Bergen im Süden gesucht.
1875 entstanden erste Pläne für eine staatlich geförderte, regelmäßige Handelsschifffahrt entlang der Küste. Diese bestand zunächst aus vielen kleinen Reedereien und Linien.

Die Geschichte schnellen Route (norwegisch: hurtig ruten) und damit der heutigen Postschiffe beginnt mit Kapitän Richard With. Zusammen mit seinem Lotsen Andreas Holte kartografierte er jede seiner Fahrten entlang der Küste und legte damit den Grundstein für die heutige Verbindung. Mit Hilfe der detaillierten Aufzeichnungen konnte er die Strecke Hammerfest-Trondheim auch nachts sowie in den dunklen Wintermonaten befahren.

Nach der staatlichen Ausschreibung einer ganzjährigen Schifffahrtslinie entlang der Westküste legte am 2. Juli 1893 Richard With an Bord der „MS Vesterålen“ zur ersten Fahrt von Trondheim nach Hammerfest ab. In den kommenden Jahren wurde die Strecke bis nach Bergen im Süden sowie Vadsø in Norden und später bis nach Kirkenes erweitert. Die Schifffahrtslinie entlang der Küste stellte eine neu gewonnene Möglichkeit dar Post, Waren und Passagiere auf See statt auf den beschwerlichen Landweg zu transportieren.

Lange Zeit war die Reederei Hurtigruten der Inbegriff für die Postschifflinie entlang der Küste Norwegens. Ende 2018 verkündete das norwegische Verkehrsministerium die Aufteilung der Route, sodass ab 2021 zwei Reedereien den Linienverkehr übernehmen: Hurtigruten und Havila. 11 Schiffe fahren weiterhin täglich im Linienverkehr auf der Route Bergen-Kirkenes-Bergen, wovon Hurtigruten sieben Abfahrten übernimmt und Havila vier Abfahrten durchführt. Der Staatsvertrag gilt bis 2030.

 

Havila Voyages

Havila Kystruten, so der norwegische Name, gehört zum Havila Konzern, der in den 1950er Jahren gegründet wurde und nach wie vor in Familienbesitz ist. Die Wurzeln des norwegischen Unternehmens liegen in der Heringsfischerei. Heute ist der Konzern breit aufgestellt und umfasst u.a. die Sparten Schiffstechnologie, Offshore, Transport und Tourismus.

„Der Name Havila stammt aus der Bibel. „Hawila“ ist das Land, das an den Garten Eden angrenzt, ein Land, das seinen Bewohnern Frieden und Wohlstand schenkt.“ (entnommen: Katalog Havila 2020/2021, Der norwegische Küstenspezialist, Seite 7)

 

Die Schiffe

Havila Voyages übernimmt vier der insgesamt elf Abfahrten und gab dafür den Neubau der Schiffe Castor, Capella, Polaris und Polux in Auftrag. Castor und Capella werden bereits 2021 in Dienst gestellt, Polaris und Pollux folgen im Jahr 2022.
Bei der Gestaltung und dem Bau der Schiffe wurde großer Wert auf Umweltverträglichkeit und Nachhaltigkeit gelegt. Die entstehenden Emissionen sollen auf ein Minimum reduziert werden. Ansatz der Reederei Havila ist es die Natur und Küste Norwegens zu schützen und für kommende Generationen zu bewahren.
Die Schiffe wurden so konstruiert, dass die Auswirkungen auf die Natur möglichst gering sind, was sich beispielsweise in der Gestaltung des Schiffsrumpfes zeigt. Zum Beheizen des Schiffes wird u.a. die Abwärme aus dem Kühlsystem genutzt.

Weiterhin verfügen die Schiffe von Havila Kystruten über die derzeit größten Akkus der Welt und können mit 6100 Kilowattstunden bis zu vier Stunden elektrisch fahren. Aufgeladen werden die gigantischen Akkupacks in den Häfen. Der Strom in Norwegen stammt zu 98% aus natürlicher Energie – nämlich Wasserkraft.
Im Normalbetrieb fahren die Schiffe mit Erdgas. Flüssiges Erdgas, LNG, sorgt für einen geringeren CO2-Ausstoß.

Die vier nahezu baugleichen Schiffe können bis zu 640 Passagiere in 179 Kabinen befördern.

 

Das Leben an Bord

Design
Die Ausstattung der Schiffe ist inspiriert von der norwegischen Natur. Natürliche Materialien werden im modernen skandinavischen Design verwendet. Auch bei der Ausstattung der Schiffe ist es Havila von großer Bedeutung die Wertschöpfung in Norwegen zu unterstützen und so stammen viele Bauteile aus norwegischer Produktion.
Große Fenster laden ein die Natur zu genießen und die Fahrt entlang der zerklüfteten Küste zu betrachten. Auch auf den Außendecks finden sich viele nette Plätze die vorbei gleitende Landschaft zu beobachten. Vielleicht auch vom Jacuzzi auf dem Außendeck? Nach viel frischer Luft lädt die Sauna zur Entspannung ein.

Restaurants
An Bord finden Sie zwei Restaurants. Im Havrand werden Frühstück, Mittag- und Abendessen serviert – mit Service am Tisch ohne Buffetangebot. Die Speisekarte variiert etwa alle drei Tage, je nach dem welche Region die Sie gerade bereisen. Die Küste ist in vier Regionen ausgeteilt: Fjorde, Polarland, Arktis und Inseln, was sich im Speiseangebot widerspiegelt.
Während der gesamten Reise nehmen Sie die Mahlzeiten an einem reservierten Tisch ein. Trinkwasser ohne Kohlensäure sowie Kaffee und Tee zu den Mahlzeiten sind im Reisepreis enthalten.
Weiterhin finden Sie an Bord das Hildring Fine Dinig à la carte Restaurant sowie das Café Havly. In allen Restaurants ist legere Kleidung ausreichend.
An Bord werden traditionelle als auch moderne norwegische Gerichte serviert. Vielfach stammen die Zutaten aus lokaler Produktion. Havila legt großen Wert auf einen kurzen Weg von Wald, Feld, Hof und Meer bis auf den Teller.

Kabinen
Die Havila-Schiffe verfügen über Innen- und Außenkabinen verschiedener Kategorien, von der Innenkabine bis hin zur Suite. Die günstigste Reisemöglichkeit sind die etwa 10m² großen Innenkabinen Interior. Wer sich etwas mehr Platz wünscht, sollte einer der Interior Plus Kabinen buchen – diese sind 16-18m² groß. Die Standard-Außenkabine Seaview haben freie Sicht nach außen und bieten etwa 15m² Platz. Auch hier sind die Seaview Plus Kabinen  mit ca. 20m² etwas großzügiger.
Zusätzlichen Komfort und Qualität finden Sie in den Deluxe-Kabinen und Suiten, die zum Teil auch einen Balkon haben.
Alle Kabinen sind mit TV (mit internationalen Kanälen), eigenem Bad mit DU/WC ausgestattet. Weiterhin sind USB-Anschluss und WLAN in allen Kabinen vorhanden.

Landausflüge
Während der zahlreichen Stopps an Land werden in vielen Häfen Landausflüge angeboten. Selbstverständlich können Sie die Orte auf eigene Faust erkunden. Möchten Sie aber einen tieferen Einblick erhalten, lohnt es sich einen geführten Ausflug zu buchen. Während der gesamten Reisen erwarten Sie zahlreiche und vielfältige Ausflüge, die Sie in Fjorde, Berge, Inseln und Orte entlang der Küste führen. Dabei stehen u.a. Themen wie Natur, Kultur, Kulinarik und Architektur auf dem Programm.




Unsere Reiseempfehlungen

Havila Kystruten: Postschiffreise entlang der norwegischen Küste im Winter

Per Bahn und Schiff erleben Sie Norwegens Schönheit im Winter. Die 15-tägige individuelle Reise ab/bis Kiel verbindet die traditionelle Bergen-Bahn mit einer Seereise auf den neuen Schiffen von Havila Kystruten.
Reisezeit: Nov. - Feb.
Preis: ab 2165 EUR

» Zur Reise


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